El Gordo – die spanische Weihnachtslotterie

Weihnachtsbaum mit Kugeln und Schmuck

Die spanische Weihnachtslotterie „Sorteo de Navidad“ gilt als eine der größten und ältesten Lotterien weltweit. Seit 1812 findet die Ziehung der Gewinnzahlen nach einem annähernd gleichen Ablauf statt und ist inzwischen fester Bestandteil der Weihnachtsfeierlichkeiten in Spanien.

Die spanische Weihnachtslotterie wird auch El Gordo genannt, auf Deutsch „der Dicke“, was den Hauptpreis von 4 Millionen Euro bezeichnet. Insgesamt lost die Lotterie jedes Jahr über 2 Milliarden Euro aus. In diesem Jahr sind es rund 2,24 Milliarden Euro. Dabei profitieren die Teilnehmer von einer besonders hohen Ausschüttungsquote. Denn rund 70 Prozent der Spieleinsätze werden wieder ausgeschüttet.

5-stellige Losnummern

Die Weihnachtslotterie beruht auf 100.000 5-stelligen Losnummern von 00000 bis 99999. Da die Lose so begehrt sind, gibt es jedes Jahr eine ganze Serie der jeweiligen Losnummern. In den Jahren 2013 und 2014 gab es jedes Los 160-mal. Ein Los kostet 200 Euro. Viel gängiger sind jedoch Zehntellose, die so genannten Décimos für 20 Euro. Auf jedem DIN-A4 großem Los sind bereits 10 einfach abtrennbare Zehntellose gedruckt.
Das Charakteristische der spanischen Weihnachtslotterie ist die breite Streuung, da die Lose und Zehntellose in immer kleinere Anteile unterteilt werden. Familien, Vereine oder Firmen kaufen sich als Tippgemeinschaft gemeinsam ein oder mehrere Lose, um so die Kosten von 200 Euro je Los in entsprechend kleinere Anteile aufzuteilen. Auch in Cafés und Bars sind Losanteile der spanischen Weihnachtslotterie erhältlich. Bei den rund 10.000 regulären Verkaufsstellen, den „Loterías y Apuestas del Estado“ sind jeweils nur bestimmte Losserien verfügbar. Die Teilnehmer können sich nicht wie bei anderen Loslotterien bestimmte Losnummern aussuchen.
Da einzelne Verkaufsstellen in der Regel ein oder mehrere komplette Losserien mit 160 Losen einer Losnummer verkaufen, kommt es im Gewinnfall vor, dass viele Gewinner aus der gleichen Region kommen. 2011 gewann beispielsweise das Dorf Sodeto und umliegende Gemeinden mit der Glücksnummer 58268 mehr als 100 Millionen Euro. Fast jeder Bewohner hatte ein Los gekauft und konnte sich über mindestens das Zwanzigtausendfache seines Einsatzes freuen. Selbst beim kleinsten Einsatz eines Bewohners von 5 Euro waren das noch 100.000 Euro.

Der Dicke und die Preise

Der Hauptpreis der spanischen Weihnachtslotterie beträgt 4 Millionen Euro. Bei 160 Losen je Losnummer sind das allein 640 Millionen Euro. Der zweite Preis liegt bei 1.250.000 Euro und der dritte bei 500.00 Euro. Zwei vierte Preise versprechen 200.000 Euro, acht fünfte Preise schütten je 60.000 Euro aus. Zudem verlost die Lotterie noch über 1.700 Pedrea (Steinschlag, Hagelsturm), viele kleine Preise zu je 1.000 Euro. Zusätzlich zu den gezogenen Losnummern, gewinnen bei der spanischen Weihnachtslotterie auch immer viele „Nebenlose“. Dazu gehören beispielsweise die Losnummern direkt vor und nach dem ersten, zweiten und dritten Preis oder Losnummern deren erste drei Ziffern mit den ersten drei Ziffern des ersten, zweiten und dritten Preis übereinstimmen. Die genaue Anzahl der Preise und deren Höhe wird jedes Jahr neu festgelegt.
Die Gewinne sind bei der spanischen Weihnachtslotterie unabhängig von den verkauften Losen. Wird eine selten verkaufte Losnummer als Hauptpreis gezogen, muss das Lotterieunternehmen auch weniger ausschütten.

Spannende Ziehung als Live-Übertragung

Bild der Madrider Oper, wo die Ziehung stattfindet.

In der Madrider Oper findet die Ziehung der Gewinnerlose statt.

Die spanische Weihnachtslotterie wird von der staatlichen Lotterie „Loterías y Apuestas del Estado“ als jährliche Sonderziehung der zweimal wöchentlichen Lotería Nacional veranstaltet. Sie gilt als eine der größten und ältesten Lotterien weltweit. 1812 fand die erste Verlosung des Dicken (El Gordo) kurz vor Weihnachten statt. Heute ist die traditionsreiche Weihnachtslotterie aus Spanien nicht mehr wegzudenken. Jeder Spanier nimmt im Durchschnitt mit ein oder mehreren Losanteilen an der „Sorteo de Navidad“ teil. So ist auch die im Fernsehen live übertragene Ziehung der Gewinnzahlen ein Großereignis, das nicht nur in den heimischen Wohnzimmern, sondern auch an vielen öffentlichen Plätzen zu verfolgen ist. Die Übertragung aus der Madrider Oper erreicht Einschaltquoten von über 50 Prozent. Viele Spanier haben die zeremonielle Ziehung inzwischen fest in ihre Weihnachtfestlichkeiten integriert.

Schon seit Jahrzehnten werden die Losnummern dabei nach dem gleichen Ablauf gezogen. In einer großen Trommel befinden sich Kugeln mit allen Losnummern, in einer weiteren die Preiskugeln. Aus beiden Trommeln fallen gleichzeitig eine Los- und eine Preiskugel. Die entsprechende Losnummer gewinnt den jeweiligen Preis. Schüler des Madrider Colegio San Ildefonso, ein ehemaliges Waisenhaus, lesen bzw. vielmehr singen die Losnummer und die gewonnene Preissumme vor. Da es bis zu 1.800 Preise gibt, dauert die Ziehung aller Gewinn-Lose über drei Stunden. Wird der Hauptpreis „El Gordo“ nicht direkt am Anfang gezogen, bleibt es länger spannend. Schließlich könnte jede Losnummer noch das große Los und damit 4 Millionen Euro bedeuten.

Die Ziehung von El Gordo 2013

Die glücklichen Gewinner der Weihnachtslotterie haben drei Monate Zeit ihren Gewinn einzufordern. Wichtig: die Losanteile müssen sicher aufbewahrt werden, denn die Lose der spanischen Weihnachtslotterie sind übertragbar. Häufig gibt es bei Tippgemeinschaften entsprechende Formulare, um die Lose zu unterteilen. So kommen im Gewinnfall erst gar keine Unklarheiten auf. Wer das Glück hat und einen größeren Betrag gewinnt, muss inzwischen auch dem Staat etwas abgeben. Denn Gewinne ab 2.500 Euro werden seit 2013 pauschal mit 20 Prozent versteuert.

Sort – das Glücks-Dorf

Die Wahrscheinlichkeit den Hauptpreis „El Gordo“ zu gewinnen, liegt bei 1 zu 100.000. Rund 5 Prozent aller Lose gewinnen, 10 Prozent der Teilnehmer erhalten zumindest ihren Einsatz zurück und die restlichen 85 Prozent verlieren. Besonders viel Glück scheint das gleichnamige Dorf Sort zu haben, was auf Katalanisch „Glück“ bedeutet. Nicht nur, dass der Ort viele Touristen anzieht, die dort ihr Glück versuchen und ein Los der Weihnachtslotterie kaufen. Tatsächlich hat die in Sort ansässige Verkaufsstelle schon überdurchschnittlich viele Gewinnerlose verkauft. Allein in zehn Jahren kamen drei Gewinner des Hauptpreises aus Sort bzw. hatten ihr persönlichen Glückslos in dem Glücksdorf gekauft. Wenn das kein Zeichen ist.

Quellennachweis:
Spiegel Online: „Rekord-Lottogewinn: Wie es sich mit 100 Millionen Euro lebt, 6.2.2012
http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtslotterie
Bildcredit: Fotolia.com/pure-life-pictures/Andrey Starostin

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